JOURNAL DE VOYAGE

In der Früh gehts gleich rauf auf den Berg. Nicht daß jetzt der Leser glaubt, ich zünd ein Kerzerl bei „Notre Dame de la Garde“ für die Caps an, aus Dankbarkeit, weil sie wieder gewonnen haben. Keine Angst, der Blog bleibt laizistisch.

Aufstieg zur Notre Dame de la Garde

Vom Berg entschädigt der Blick auf den Alten Hafen der Stadt für den Frühsport.

Blick auf Marseille

Jedenfalls hatte die Gute Alte Mutter einen tollen Blick auf die Häftlinge im Chateu d’If. Nicht nur diverse Grafen aus Monte Christo waren dort, sondern auch diverse erfolglose Revoluzzer durften hier über die Gründe ihrer Niederlagen nachdenken. Geholfen hat sie ihnen jedenfalls nicht.

Gefängnisinsel

Aber nicht nur als Gefängnis diente die Insel, sondern als Teil der Festung um den Hafen zu sichern. Ausgebaut unter dem bekannten Ludwig Nr. 14, der hier seinen wichtigsten Flottenstützpunkt ausbaute.

Hafeneinfahrt

Die Gegenwart hat ebenfalls spektakuläre Bauten zu bieten, in der Morgensonne erwacht das Stade Velodrome, Heimat von Olympique M.und ab zu dürfen die TdF Radler in die nach ihnen benamsten Arena.

Stade Velodrome

Vorbei an einem Panzer der Freien Franzosen, der bei der Erstürmung des Hügels liegen geblieben ist, geht es runter. Die Wehrmacht hat sich tapfer wie sie war, unter dem Rockzipfel der Alten Dame versteckt.

Der Panzer

Unten angekommen im Carre Thiars. Hier trafen früher Spezereien aus den Kolonien ein, heute fahren LKWs vor.

Carre Thiars

Ein ziemlich schauderhaftes Gebäude ist noch immer übrig, das Arsenal. Hier wurden die Galeerenhäftlinge gehalten und der oberste Galeerenkommandant saß ebenfalls da. An Nachschub hats im franz. Königreich nie gemangelt, eine kleine Steuererhöhung und schon gabs neue Kandidaten für die Fußfesseln. Und wie gesehen, das Chateu d’If war auch in der Nähe….

Das Arsenal.

Das Galeeren Oberkommando wurde mittlerweile zum Galerien Stützpunkt für hiesige Künstler. Ohne Trommelbegleitung und Fußfessel.

Galerien.

Marseille war immer schon ein wichtiger Umschlagplatz für Olivenöl, hier wurde von den Schiffen ausgeladen, gelagert und nach Frankreich geliefert.

Olivenölplatz

Einiges vom Öl wurde gleich von den Nachbarn abgenommen, Marseille ist auch die Stadt der Seifensieder. Ob das so eine Auszeichnung ist. JSedenfalls hat man sich den Titel der Stadt der Saubern verdient, mit jahrhundertelanger Geschichte im Seifensieden bzw kann mal stolz sagen „auf der Saff sans da zhaus, weil sie kennen sie aus“

So genug vom Einseifen der Leser, ein Blick auf die eindrucksvolle Festung der Hafeneinfahrt um den Standort Marseille zu schützen.

Die Festung und der Hafen haben an Bedeutung verloren, im einen ankern nur mehr Fischerboote und div. Motorjachten und Segelboote, die Festung ist Teil des MUCEM, welches sich mit der Geschichte des Mittelmeerraums beschäftigt.

Das MUCEUM ist Teil des Neuverbauung der alten Hafenanlagen, samt Einkaufszentrum und diverser Hochhäuser, davon einer von Jean Nouvel, davon morgen mehr.

Am Kai hat Norman Foster seinen Regenschirm für uns aufgespannt.

Das wird von der Generation Selfy natürlich schamlos ausgenützt….

Die nicht dazu passenen Wohn-Betonblöcke rund um das Alte Rathaus verdanken wir den Nazi-Herrenmenschen, der sich hier wieder „ausgezeichnet“ hat: in einem Irrsinn von Vergeltung, Hass , Dummheit und Angst kamen sie 1943 auf die „glorreiche“ Idee, das historische Zentrum einfach zu sprengen, und den Bewohnern genau 2 Tage Zeit zur Evakuierung gaben. Grund war natürlich, daß hier viele jüdische Flüchtlinge Unterschlupf fanden und sie diese liquidierten samt einer jahrhundertelanger gewachsenen Besiedlung, die bis zu den Griechen zurückgeht.

Reste der Stadt der Griechen wurden bei der Errichtung eines Einkaufszentrums mitten in der Stadt gefunden.

Nicht nur Gebäude wurden freigelegt, Bauarbeiter fanden Überreste eines griechischen Segelschiffs und eines lagen Römer-Schiffes, einzigartig in seiner Komplettheit.


Stiegen am Anfang des Tages, über Stiegen gehts auch heim in meine „Hood“, ein ziemlich lässiges Viertel, der Cours Joulien.

So kann Revitalisierung eines Viertels auch ausschauen, muß ja nicht immer das zuckersüße Zu-Tode-Renovieren wie bei uns daheim sein.



2 Replies to “Marseille: Hafen mit Vergangenheit”

  1. Da war mal eine Doku….über den Vieux Port. Sehr interessant. Die Räumung & Sprengung des alten Viertels war ganz im Sinn der Vichy Regierung, quasi eine joint venture mit den Nazis. Hab auch eine Rezension über die Doku gefunden: https://www.deutschlandfunkkultur.de/als-die-deutschen-in-marseille-wueteten.1013.de.html?dram:article_id=234964

    Die auf dem Bild abgebildeten Gebäude, die Du als „Betonblöcke“ bezeichnest finde ich übrigens wunderbar; sehr ruhiger, gesetzter Eindruck, Loggien und erdgeschossige Arkaden Gänge liebe ich – (Bologna ist da mein Liebling) und das Material scheint Stein zu sein, auch sehr zurückhaltend – passt also meiner Meinung nach Deine Bezeichnung „Betonblöcke“ gar nicht.

    Aber Deine Bildbeschriftungen sind einfach genial –
    könntest Deine Knödel ohne weiteres als Reise-Journalist verdienen.

    Liken

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